Unterwasserfotografie: Kaufaspekte 2

  • am 14.06.13
  • von Alex
Im ersten Teil von "Kaufaspekte 1" haben wir uns mit allgemeinen Merkmalen beschäftigt, die beim Kauf berücksichtigt werden müssen, und uns die unterschiedlichen Kameratypen angeschaut. Im zweiten Teil möchten wir jetzt tiefer ins Detail gehen.

Die Lichtstärke des Objektivs

Soll die Kamera auch für den heimischen See genommen werden, so muss beim Kauf auf ein lichtstarkes Objektiv geachtet werden. Mit „lichtstark" ist dabei ein Wert von f1.8 bis f2,8 gemeint. Wie wir in der Begriffsklärung erklärt haben, heißt es in diesem Fall, je kleiner die Zahl, desto lichtstärker ist das Objektiv!

Der optische Zoom

Der Zoom ist für die Kaufentscheidung einer Unterwasserkamera kein Kriterium. Unterwasser zu zoomen ist immer ein Problem, da die Gefahr des Verwackelns sehr hoch ist und die Bilder so schnell „flau" und „unscharf" werden. Auf den digitalen Zoom sollte komplett verzichtet werden, wie wir schon in der Begriffsklärung erklärt haben.

Die Tauchtiefe

Beim Kauf sollte auch die spätere Tauchtiefe bedacht werden. Dabei stellen sich drei Fragen:

  1. Welche der im Teil 1 aufgeführten Kameratypen kommen in Frage?
  2. Braucht man ein spezielles Unterwassergehäuse?
  3. Brauche ich eine spezielle Beleuchtung (siehe nächster Punkt)?

Möchte man die Kamera auch in Tiefen von über 10 Metern benutzen, kommen Einweg- und Outdoorkameras nicht mehr - oder nur mit Zusatzequipment - in Frage. Werden auch Tauchtiefen jenseits von 40 Metern aufgesucht, muss meistens auf ein teures Gehäuse von Drittanbietern zurückgegriffen werden.

Die Beleuchtung

farbabsorbtionBereits nach wenigen Metern Tauchtiefe wird eine externe Lichtquelle benötigt.

Denn mit zunehmender Tiefe wird es nicht nur dunkler, sondern nach und nach werden auch die unterschiedlichen Farben vom Wasser absorbiert. So kann man die Farbe rot nur bis ca. 5m und orange bis ca. 10m wahrnehmen. Danach verschwinden die Farben gelb, grün und blau je tiefer getaucht wird, wie in der nebenstehenden Grafik zu sehen ist.

Verstärkt wird dieser Effekt zudem noch durch schlechte Wasser- und Wetterbedingungen, wie Schwebeteilchen oder ein dunkler Himmel, da hier das einfallende Licht noch stärker gestreut wird.

Die Lichtquelle wird also vorwiegend dazu benötigt die Farben richtig darzustellen. Ansonsten würde das Bild in einem grün-blau verblassen.

Interner oder externer Blitz?

Die Frage der Lichtquelle führt uns beim Fotografieren zum nächsten Punkt: Was für einen Blitz soll man verwenden? Reicht der interne aus oder muss es ein externer sein?

Zumindest alle Kompaktkameras sind mit einem internen Blitz ausgestattet, der entweder fest verbaut ist oder ausgeklappt werden muss. Für einfache Nah- und Makroaufnahmen reicht er noch aus, allerdings stößt er schnell an seine Grenzen: geringe Reichweite, eingeschränkter Leuchtwinkel und schwache Leistung. Hinzu kommt, dass das Motiv nur von vorne beleuchtet werden kann, somit eventuelle Schwebeteilchen auch frontal angeblitzt werden, was zu hellen Punkten auf dem Bild führt. Auch kann es passieren, dass der Blitz zum Teil vom Gehäuse oder Aufsätzen verdeckt wird, wodurch Schatten auf dem Foto entstehen.

Um dem entgegen zu wirken wird ein externer Blitz benötigt. Durch seine spezielle Anpassung an die Unterwasserwelt können sie sehr leistungsstark und durch einen Blitzarm zudem flexibel auszurichten sein.

Das Dateiformat

Bereits im Teil 1 unseres Workshops (Begriffsklärung) haben wir die Vorzüge des RAW-Dateiformats vorgestellt. Wenn die Fotos am Computer nachbearbeitet werden sollen, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Kamera in diesem Format aufnehmen kann.

Motivprogramme

Wenn man sich nicht mit Blende, Belichtungszeit oder ISO-Werten auskennt und alles der

Kamera überlassen will, dann kann man auf so genannte Motivprogramme zurückgreifen. Hier gibt die Kamera sämtliche Einstellungen vor - man kann quasi einfach drauf los knipsen. Motivprogramme gibt es zum Beispiel für Sport-, Portät-, Landschafts- aber auch Unterwasseraufnahmen.

Automatik-Programme

Automatik-Programme können ungeübten, aber auch fortgeschrittenen Fotografen die Arbeit erleichtern und bieten eine gute Grundlage für gelungene Fotos und einen Einstieg in das manuelle Einstellen der Kamera.

Programmautomatik (P)

modus pDie Programmautomatik wird von vielen als Alternative zur Vollautomatik genutzt, da sie etwas mehr Einstellungsmöglichkeiten bietet. Die Kamera stellt automatisch sowohl Blende als auch Verschlusszeit ein, die Einstellungen für den ISO-Wert können selber vorgenommen werden.

 

Zeitautomatik (A oder AV)

modus avBei dieser Einstellung wird die Blende manuell vorausgewählt und die Kamera wählt dazu aufgrund der Belichtungsmessung die entsprechende Belichtungszeit aus. Die Zeitautomatik ist ideal um die Schärfentiefe zu beeinflussen.
 

 

Blendenautomatik (S oder TV)

modus tvIm Gegensatz zur Zeitautomatik wird hier die Belichtungszeit ausgewählt und die Kamera stellt daraufhin die Blende selbst ein, um eine ausreichende Belichtung zu erreichen. Benutzt wird dieses Automatikprogramm vor allem um die Bewegungsunschärfe zu kontrollieren.

 

Manueller Modus (M)

modus mDer Modus „Manuell" ermöglicht die Steuerung aller Einstellungen für die Aufnahme und ist damit der komplexeste der verfügbaren Modi. Aufgrund der Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten sollte hier also genug Zeit vorhanden sein.
 

 

Die Bedienung der Kamera

Ein Punkt der ebenfalls noch berücksichtigt werden sollte, ist die Bedienung aller Kamerafunktionen in dem Kameragehäuse. Und das am besten noch mit dicken Trockentauchhandschuhen. Auch sollte z.B. der manuelle Weißabgleich mit einem Tastendruck durchgeführt werden können und nicht mit mehreren.

Energieversorgung

Zur Energieversorgung gibt es Modelle mit handelsüblichen Akkus und welche mit speziellen Blockakkus, die zum Teil nur bei bestimmten Kameras eines Herstellers eingesetzt werden können. Diese Blockakkus sind speziell auf die Kameras abgestimmt und haben in der Regel längere Laufzeiten. Nachteilig ist hierbei allerdings, dass sie relativ teuer sind und man unter Umständen spezielle Ladegeräte dafür benötigt. Das ist bei herkömmlichen Akkus nicht der Fall, zudem sind sie deutlich günstiger und können praktisch überall auf der Welt nachgekauft werden. Das macht sich vor allem in abgelegenen Tauchgebieten oder auf Tauchsafaris bezahlt. So oder so ist es sinnvoll, sich Ersatz-Akkus zuzulegen.

Nachdem wir uns nun mit den Details der Kaufplanung befasst - und dann auch eine Kamera gekauft - haben, nähern wir jetzt so langsam endlich den ersten praxisnahen Themen. Wir werden uns im nächsten Beitrag mit den ersten Schritten nach dem Kauf beschäftigen, wie zum Beispiel Zusammenbau und Dichtheitprüfung.

Kommentare

Vielen Dank für den informativen Artikel. Er hat mir, wie auch schon als Kommentar im ersten Teil geschrieben, sehr beim Einschränken der möglichen Kameratypen geholfen.
Besonders der Punkt mit dem Gehäuse hat mich letztendlich doch davon abgebracht mir eine Spiegelreflexkamera für Unterwasser (natürlich auch für den Gebrauch an Land gedacht) zu kaufen. Die Kosten für die Kamera sind ja am Ende nur ein Bruchteil der tatsächlichen Kosten. Für ein vernünftiges Gehäuse zahlt man ja locker schon das doppelte bis dreifache der Kamera. Alle Extras natürlich ausgenommen. Und dann noch eine vernünftige Licht/Blitzanlage - das macht einen doch glatt arm *g*

Klar, wenn du was besseres haben willst als die paar Gehäuse, die es von den Herstellern findest, dann ist das fast ein Fass ohne Boden.

Gerade wenn man solch eine Kamera hat - und das Geld dafür ausgeben will - dann möchte ich zumindest auch ein Gehäuse haben, welches Tiefen jenseits der 40 Meter abkann. Und ich nicht auf die Tiefe achten muss.

Dann kommen solch wichtige Elemente wie Leckwarner, Digitaladapter für TTL, etc. pp. noch hinzu. Auf die sollte man dann auch nicht mehr verzichten. Wenn schon, denn schon ;-)

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