Kurs Unterwasserarchäologie 1 mit Florian Huber

  • am 01.01.18
  • von Alex
Im Oktober 2017 nahm Alex am bayerischen Walchensee an einem VDST-Kurs “Unterwasserarchäologie 1” teil. Geleitet wurde der Kurs vom bekannten Unterwasserarchäologen Dr. Florian Huber.
Kurs Unterwasserarchäologie 1, Foto: Martin Hess
Gruppe des Kurses Unterwasserarchäologie 1, Foto: Martin Hess

Der Walchensee

Der Walchensee liegt inmitten der Bayerischen Voralpen auf gut 800 Metern Höhe und zählt mit rund 190 Metern Tiefe und über 16 km2 Fläche zu den größten und tiefsten Alpenseen in Deutschland. Der See, der zur Gemeinde Kochel am See gehört, ist ein beliebtes Gewässer für den Freizeitsport (u.a. Tauchen, Schwimmen, Surfen) und wird zudem als Speicher für das Walchenseekraftwerk verwendet.

Foto: Walchensee

Das Wrack

Der Fundort des Wracks, welches im Rahmen des Kurses zu erkunden galt, befindet sich in Ufernähe in der Bucht „Silbertsgraben“ im südöstlichen Teil des Sees. Über das Holzboot ist bisher nur wenig bekannt. Durch eine frühere Holzprobe konnte festgestellt werden, dass es sich bei dem verwendeten Holz um Kiefer handelt. Doch Eigentümer, Verwendung und Untergangsursache sowie der genaue Bootstyp sind bislang unklar. Es liegt schräg am Uferhang in ca. 7-9 Metern Tiefe und ist ein eher schmales Boot mit vier Metallspanten.

Während das Heck gerade/ abgeflacht ist, läuft der Bug spitz zu. Der Bootsboden ist flach.

Das Boot machte insgesamt einen fragilen Eindruck. Während die Beplankung auf der Steuerboardseite zwar teilweise zerstört aber noch überwiegend erhalten war, ist sie auf der Backboardseite fast gar nicht mehr vorhanden.

Foto: Wrack vom Silbertsgraben

Der Kurs

Der Kurs “Unterwasserarchäologie 1” besteht aus verschiedenen Theorie- und Praxis-Modulen. Die Theorie fand an allen drei Kurstagen immer im Hotel Karwendelblick statt, welches nicht nur zentral gelegen war, eine gute Küche und einen großen Raum für den Unterricht bot, sondern auch mit einem Trockenraum für die Tauchsachen sowie einem ausreichend starken Bauer-Kompressor aufwarten konnte. Ideale Voraussetzungen also für die folgenden Kurstage.

Der erste Kurstag

Der erste Kurstag startete mit der Theorieeinheit, die bis zum Nachmittag ging. Nach einer ausgiebigen Vorstellungsrunde, gab uns Florian Huber eine Zusammenfassung der Inhalte des Kurses und stellte uns den Walchensee näher vor. Anschließend kamen die ersten theoretischen Themen: Quellenkunde, Arten von Unterwasserdenkmälern und Verhaltensweisen. Angereichert wurde jede Unterrichtseinheit immer wieder durch praktische Beispiele und Erfahrungen, die Florian in den verschiedensten Teilen der Erde bisher erlebt hat. Durch diese Mischung gelang es ihm sehr gut, die trockene Theorie interessant und greifbar rüberzubringen und die Zeit schnell vergehen zu lassen.

Nach dem anschließenden gemeinsamen Mittagessen ging es dann an den Walchensee zum Tauchplatz.

Wir wurden in mehrere Gruppen aufgeteilt und unternahmen anschließend insgesamt zwei Tauchgänge. Die Aufgabe des ersten Tauchgangs bestand darin, das Wrack zu lokalisieren und sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Ich nahm meine Kamera mit und konnte mit ihr so einige Detailaufnahmen machen, die uns später noch hilfreich sein sollten.

Nach einer kurzen Pause und einigen Erläuterungen für den zweiten Tauchgang ging es wieder zum Wrack. Nun war es an uns, das alte Holzboot so gut wie möglich zu zeichnen. Das gelang auch mehr oder weniger gut und bildete die Grundlage für unsere Hausaufgabe: Einer Reinzeichnung der Unterwasser angefertigten Skizze.

Foto: Kurs Unterwasserarchäologie 1

Der zweite Kurstag

Auch am Samstag ging es morgens erst einmal mit der Theorie los. Dieses Mal erläuterte uns Florian archäologische Planungen und Arbeitsweisen, auch am Beispiel der noch andauernden Expedition zum Wrack des schwedischen Kriegsschiffes Mars (auch Makalös). Das Segelkiegsschiff aus dem 16. Jahrhundert war das Flaggschiff des Schwedenköngis Erik XIV. und bis zu ihrer Versenkung im Jahr 1564 während des Dreikronenkriegs das größte Kriegsschiff der Welt. Erst 2011 konnte sie wiederentdeckt werden. Florian Huber war an einigen Tauchgängen im Rahmen der Erkundung dabei.

Im Rahmen seines Berichtes kamen wir dann auch auf das nächste Thema: 3D-Modellierung von archäologischen Funden wie Schiffswracks, Gegenständen oder Skeletten. Florian zeigte uns einige Beispiele, die er selber erstellt hatte und beschrieb sehr eindrucksvoll, welche Möglichkeiten sich durch diese Methode ergeben würden.

Neben dieser neuen Methode ging es aber vor allem auch um Zeichen- und Vermessungstechniken. Im Anschluss ging es noch um die 36 UNESCO Regeln “Manual for Activities directed at Underwater Cultural Heritage” und um Datierungsmethoden.

Am See wurden wir an diesem Tag von einem Journalisten des Bayerischen Rundfunks (BR) begleitet. Für die Sendung “Abendschau” wurde ein Beitrag über unseren Kurs gedreht, der am nachfolgenden Montagabend auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Bevor es ins Wasser ging, erläuterte Florian sehr ausführlich das Vermessen von Fundstätten mit der Offset-Methode anhand eines aufgebauten “Fundfeldes”.

Dieses baute er anschließend auch Unterwasser auf und lies die einzelnen Teams dort das Vermessen und Aufnehmen der Ergebnisse üben. Wir merkten schnell, dass das nicht so einfach war, wie zuvor an Land geübt. Doch nach einigem Hin und Her funktionierte es, so dass wir die Vermessung danach am eigentlich Wrack vornahmen. Mit diesem Tauchgang war der praktische Teil des Kurses dann auch schon absolviert.

Foto: Übung Fundstellenvermessung

Der dritte Kurstag

Der letzte Kurstag begann schon regnerisch. Das graue Wetter passte gut zum großen Theorieblock, der noch vor uns lag. Und im Gegensatz zu dem Wetter draußen ging es drinnen mit “Recht und Ethos” auch gleich richtig trocken los. Abwechslungsreicher gestaltete sich der Teil danach: Zuerst gab uns Max Fiederling vom BGfU (Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e. V.) einen kleinen Einblick in die Arbeit des Vereins und in die Möglichkeiten, die man als fortgebildeter Nicht-Archäologe hat. Danach galt es unsere Zeichnungen und Messergebnisse auf Millimeterpapier zu übertragen und somit eine recht gute und aussagekräftige Übersicht über Schiffsform und -größe zu erhalten.

Da es nach dem theoretischen Teil und der Abschlussrunde schon früher Nachmittag war, entschied die Gruppe angesichts der Zeit und des Wetters heute keine weiteren Tauchgänge mehr zu unternehmen, sondern stattdessen noch mehr Erlebnisse von Florian Huber näher gebracht zu bekommen. Florian berichtete uns dabei u.a. von den Unternehmungen in den Cenoten Yucatáns, Mexiko.

Mit vielen neuen Erkenntnissen und Fähigkeiten sowie nach einem tollen Wochenende fuhren wir am nachfolgenden Montag wieder den weiten Weg vom Walchensee zurück nach Berlin. Es war ein rundum gelungenes verlängertes Wochenende und ein toller Kurs mit Dr. Florian Huber. Die Mischung aus Theorie und den eigenen Erfahrungen hat den Kurs spannend und sehr interessant werden lassen. Also genau das, was ich im Vorfeld erwartet hatte.

Nur das Rätsel des Wracks vom Silbertsgraben konnten wir leider nicht lösen... ;-)

BR-Beitrag "Unterwasserarchäologie im Walchensee"

BR Beitrag "Unterwasserarchäologie im Walchensee"

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Kurs Unterwasserarchäologie 1 - Oktober 2017

Ausblick auf den Walchensee, Café am See
Ausblick auf den Walchensee, Café am See
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Kommentare

Schöner und ausführlicher Bericht. Scheint ein toller Kurs gewesen zu sein.

Solch einen Kurs mit einem bekannten "Praktiker" zu machen, ist wirklich eine gute Wahl. Nicht nur einer der die Theorie kennt, sondern jemand, der das auch wirklich beruflich umsetzt und - so zumindest mein Eindruck aus Büchern und dem TV von Florian Huber - es auch lebt.

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