Der Buddy-Check

  • am 08.07.13
  • von Alex
Aus Unachtsamkeit entstehen schnell kleine Probleme, die sich potenzieren und zu ernstzunehmenden Stress und Tauchunfällen führen. In vielen Fällen sind sie vermeidbar, wenn man einige Dinge im Vorfeld beachtet.
Foto: Buddy-Check

Dazu zählt eine gründliche Tauchgangsplanung (mitsamt Briefing) genauso wie die Kontrolle der Ausrüstung von sich und seinem Partner, der sogenannte Buddy-Check.

Wer schon länger (gerade mit festen Tauchpartnern am selben Tauchplatz) taucht wird feststellen, dass der Buddy-Check immer mehr vernachlässigt oder sogar ganz weggelassen wird. Dass das ein Risiko darstellt, ist selten jemanden bewusst - das wird es erst dann, wenn man Nachrichten von Tauchunfällen und deren Ursachen liest.

Warum Buddy-Check?

Nicht selten stellt ein kleines Problem bei der Tauchausrüstung den Ausgangspunkt eines Tauchunfalls dar, der durch eine Kontrolle hätte vermieden werden können.

Der Buddy-Check wird in der Ausbildung meistens als Sicherheit für den Tauchpartner unterrichtet. Das stimmt zwar auch, ist allerdings nur die halbe Wahrheit.

Der Buddy-Check sollte auch als Selbstschutz verstanden werden.

 

  1. Prüfen zwei Personen die Ausrüstung, fällt eher auf, wenn der Partner etwas vergessen hat. Man kann es rechtzeitig korrigieren. Gleiches gilt für die eigene Person - hat man etwas vergessen, ist die Chance hoch, dass der Buddy es entdeckt.
  2. Durch diese doppelte Überprüfung stellt man ein gewisses Sicherheitslevel her, welches für einen entspannten Tauchgang wichtig ist.
  3. Daneben bedeutet der Check aber auch, dass beide Tauchpartner genau wissen, mit welcher Ausrüstung der Partner taucht und wie diese funktioniert. Das ist vor allem in Problemsituationen wichtig: Man weiß bei einem abblasenden Automaten sofort, welches Ventil geschlossen werden muss oder auf welche alternative Luftversorgung des Partners man zurückgreifen könnte, wenn man selber keine Luft mehr hat. Das spart im Ernstfall wichtige Sekunden.

Der Buddy-Check sollte als wichtiger Bestandteil der Tauchgangsvorbereitung begriffen werden. Verzichten zwei Tauchpartner bewusst darauf, dann tun sie es auf eigene Verantwortung und zu ihrem eigenen Risiko. Klar sollte hier aber auch sein, dass sobald einer von beiden einen Buddy-Check durchführen möchte, dies auch - und zwar mit der gebotenen Sorgfalt - gemacht wird. Ohne Widerrede und dumme Sprüche!

Wo Buddy-Check?

Hierrüber scheiden sich die Geister. Direkt an dem Ort, an dem man sich anzieht, am Ufer oder erst im Wasser? Im Endeffekt bleibt es jedem selbst überlassen, es spricht aber einiges für die folgende Vorgehensweise.

Selbst-Check nach dem Anrödeln

Nicht selten muss man vom Ort, an dem man die Ausrüstung anlegt bis zum Wasser einiges an Weg zurücklegen. Hier wäre es ungünstig, wenn man erst am Wasser merkt, dass man etwas im Auto vergessen hat. Deswegen sollte als erstes ein Selbst-Check durchgeführt werden, bei dem geprüft wird, ob die Ausrüstung komplett und richtig angebracht ist, sowie ob sie ordnungsgemäß funktioniert. Wichtige Punkte sind hier: Sind Maske, Flossen, Kopfhaube und Handschuhe vorhanden?

Die Zeit des Zusammenbaus und Anrödels sollte auch dazu genutzt werden, um sich ein Bild davon zu machen wie der Buddy drauf ist und mit was für einer Ausrüstung er taucht. Das ist vor allem bei Tauchsafaris wichtig, wenn es beim Einstieg oft sehr schnell gehen muss und vielleicht nicht genug Zeit für einen gründlichen Buddy-Check bleibt.

Buddy-Check im Wasser

Im seichten Wasser sollte dann der eigentliche Buddy-Check erfolgen (siehe unten).
Vorteil hier ist, dass man die Flossen bereits angezogen und die Maske aufgesetzt haben kann, was am Ufer nicht sinnvoll ist. Zu tief sollte das Wasser nicht sein, um alle Ausrüstungsteile (wie z.B. einen Bleigurt oder die Bauchbebänderung des Jackets) gut sehen zu können.

Ablauf des Buddy-Checks

Am einfachsten ist es, wenn man sich für den Buddy-Check einen Merksatz nimmt, den man dann von vorne bis hinten - im wahrsten Sinne des Wortes - abarbeitet. In der Regel lernt man solch einen Spruch (davon gibt es einige) bereits in seinem OWD-Kurs. Ein solcher Merksatz kann "Taucher brauchen saubere Luft" sein. Wobei immer der Anfangsbuchstabe für einen zu überprüfenden Punkt steht.

Taucher = Tariersystem

  • Hier wird alles geprüft, was zum Tariersystem gehört:
  • Jacket richtig angezogen?
  • Inflatorschlauch (Jacket und Trocki) angeschlossen?
  • Funktioniert der Inflator (Jacket und Trocki: Ein- und Auslass)?
  • Gibt es Schnellablässe? Wenn ja wo und funktionieren sie? Sind alle gut erreichbar?

brauchen = Bleisystem

  • Hier werden alle Punkte rund um das verwendete Bleisystem überprüft:
  • Welches Bleisystem wird verwendet? Bleitaschen, Bleigurt, Hosenträgerbleigurt, Backplate, V-Weight, P-Weight?
  • Ist das Blei vorhanden, wenn ja auch genug?
  • Bei Bleitaschen: Sitzen die Bleitaschen fest? Wie funktioniert der Abwurfmechanismus?
  • Beim Bleigurt: Sitzt der Gurt richtig (mit der rechten Hand zu öffnen)? Kommt man an die Schnalle gut ran? Kann man den Bleigurt abwerfen? Wie wird der Bleigurt geöffnet?
  • Beim Hosenträgerbleigurt: Sitzt der Hosenträgerbleigurt richtig? Wie funktioniert der Abwurfmechanismus?

saubere = Schnallen und Verschlüsse

  • Bei diesem Punkt werden alle Schnallen und sonstige Verschlüsse der Ausrüstung auf Funktion geprüft:
  • Jacket: Schulter-, Bauch- und Brustgurtverschlüsse richtig geschlossen?
  • Ist die Bebänderung festgezogen?
  • Flasche: Sitzt die Flasche fest? Ist der Verschluss sicher?

Luft = Luftversorgung

  • Zum Schluss wird die Luftversorgung für den Tauchgang gecheckt:
  • Ist die Flasche aufgedreht?
  • Wie viel Luft befindet sich der Flasche?
  • Funktioniert das Finimeter bzw. der Tauchcomputer?
  • Funktioniert die primäre Luftversorgung?
  • Funktioniert die Alternative Luftversorgung
  • Wo und wie ist die Alternative Luftversorgung angebracht?

In welcher Reihenfolge die einzelnen Teile der Ausrüstung überprüft werden ist letztlich egal. Wichtig ist hier nur, dass sie geprüft werden. Besonders bei unerfahrenen Tauchern, unbekannten Tauchpartnern oder bei Leihausrüstungen ist ein gründlicher Buddy-Check das oberste Gebot. Nicht nur zur Sicherheit des Partners, sondern vor allem der eigenen Sicherheit zu liebe.

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