Auf ein Deko-Bier mit Dr. Florian Huber

  • am 11.09.17
  • von Alex
Was könnte spannender sein, als bisher unentdeckte Wracks oder Höhlen zu erkunden und ihnen ihre Geheimnisse und Schätze zu entlocken? Klingt toll, doch hat es wenig mit Forschungstauchen zu tun. Einer, der es wissen muss ist Dr. Florian Huber.
Foto: Florian Huber

"Auf ein Deko-Bier mit...", so heißt ab sofort unsere Interview-Reihe auf Berlintaucher.de, in der wir von Zeit zu Zeit interessanten Gesprächspartnern ein paar Fragen zu ihren Erlebnissen und Abenteuern, sowie zu ihrer Ausrüstung und dem Tauchen ganz allgemein stellen werden.

Unser heutiger Gast ist Dr. Florian Huber. Viele kennen ihn als Forschungstaucher aus dem Fernsehen, der Wracks und Höhlen betaucht, spannende Forschungsreisen unternimmt und am liebsten Algen zählt (oder jedenfalls so ähnlich…). Aber Florian Huber gibt sein Wissen in Spezialkursen Unterwasserarchäologie auch an interessierte Taucher weiter. So entstand der Kontakt und auch dieses Interview von Alex mit ihm.

Alex: Florian, du bist für dein Studium vom tiefsten Süden in den hohen Norden Deutschlands gezogen. Für einen Bayern ein wohl kaum vorstellbarer “Kulturschock”, oder? Wenn du noch einmal vor der Entscheidung stehen würdest: Würdest du es wieder so machen?

Florian Huber: Von Kulturschock würde ich nicht sprechen. Aber klar ist der Norden anderes als der Süden. Was ja auch schön ist. Aber ich vermisse dort oben unser typisches Essen, Biergärten und die Berge. Dafür wohne ich direkt an der Ostsee und habe meinen Traumjob gefunden. Würde ich es nochmal so machen? Selbstverständlich, das war die richtige Entscheidung.

Du bist Teil des Submaris-Teams, dem ja auch noch andere bekannte Gesichter angehören. Wie kamt ihr dazu, eine gemeinsame Firma zu gründen, und was sind eure Betätigungsfelder?

Die Idee eine Firma zu gründen, die Forschungstauchen als Dienstleitung anbietet, kam 2012 bei den Dreharbeiten zum Kinofilm „Die Höhlen der Toten“. Seit 2013 arbeiten wir jetzt unter dem Namen Submaris und sind vor allem im Bereich Wissenschaft und Medien aktiv. Zu unseren Aufgaben gehören biologische Untersuchungen und Gutachten, unterwasserarchäologische Projekte sowie unterschiedliche Dreharbeiten für beispielsweise den NDR, Terra X und ARTE. Wir geben aber auch Seminare, Workshops, halten Vorträge und schreiben Bücher zu meereswissenschaftlichen Themen.

Du hast die "Höhlen der Toten" gerade angesprochen: Viele haben euren Film gesehen und waren begeistert. Wenn man sich den Film anschaut, dann bekommt man einen kleinen Eindruck, wie aufwändig eine solche Produktion sein könnte. Wie viele Tauchgänge und wie viele Tauchstunden waren notwendig um die 90 Minuten zu bekommen, die es letztendlich in den Film geschafft haben? Und auf welche Schwierigkeiten bei der Logistik seid ihr gestoßen?

Ja, die Dreharbeiten waren in der Tat sehr anstrengend. Wir haben 18 Tage am Stück getaucht und gedreht. Dabei haben wir, glaube ich, über 60 Stunden Material gesammelt. Im Vorfeld mussten wir zunächst ein Gehäuse entwickeln lassen, um die 3D-Kamera darin zu verstauen. Dann braucht man diverse Genehmigung, um in Mexiko überhaupt drehen zu dürfen. Das Schwierigste aber waren die Aufnahmen unter Wasser. Neben der Tauchsicherheit, die man dabei nie außer Acht lassen darf, war es wichtig, die Tauchgänge und die Szenen im Vorfeld genau zu besprechen. Wo steht die Kamera? Wo werden Lichter gesetzt? Wer taucht wann und wie in der Szene auf? Welche Handzeichen verwenden wir, um uns darüber zu unterhalten? Ein Vorteil war und ist sicher, dass wir seit vielen Jahren zusammentauchen und uns über wie unter Wasser sehr gut verstehen.

War der Einstieg in das Höhlentauchen für dich eine logische Notwendigkeit, die deine Projekte vorgegeben haben oder hat dich das Thema schon vor den ersten archäologischen Expeditionen interessiert?

Ich habe irgendwann mal in einer „Spiegel“-Sonderausgabe über die archäologischen Funde in den Cenoten gelesen. Von da an wusste ich, dass ich da auch hin will, um zu forschen. 2007 bin ich dann nach Mexiko gereist, um meine Ausbildung zum Höhlentaucher zu machen. 2009 haben wir mit mexikansichen Kollegen eine Kooperation begonnen und einige Jahre diverse Cenoten und Höhlenabschnitte rund um Tulum untersucht. Gerade die Komplexizität, in gefluteten Höhlen zu arbeiten, hat mich fasziniert und war letztendlich auch ein Teil meiner Doktorarbeit.

Foto: Florian Huber

Deine Präferenz: Wracks oder Höhlen? Was begeistert dich als Archäologen und als Taucher mehr und warum? Und damit einhergehend gleich noch die Frage, was dich mehr reizt: Einheimische Gewässer wie der Walchensee und Nord- und Ostsee oder zum Beispiel die Höhlen Yucatans und die Karibik?

Ich mag beides gleich gerne, denn beides hat seinen eigenen Reiz. Und eigentlich ist es mir auch egal, in welchem Meer die Wracks liegen. Gerade die Ostsee ist aufgrund ihrer perfekten Erhaltungsbedingungen der Himmel für Unterwasserarchäologen, aber ich gebe zu, ich mag auch warmes Wasser, in dem man mehr als 2 Meter weit gucken kann. :-) Die Mischung macht’s.

Ich nehme im Oktober ja an einem von dir angebotenen Kurs “UW-Archäologie” im/ am Walchensee teil. Mal abgesehen davon, dass du damit Geld verdienst, warum sind solche Kurse für dich wichtig?

Ich denke, ein heutiger Taucher sollte über das größte Museum der Welt – nämlich den Ozean – gut Bescheid wissen. Taucher haben die Möglichkeit, ganz besondere Orte unserer Vergangenheit zu besuchen. Dabei ist es aber wichtig, dass sie wissen, was sie da unten erwartet, wie man sich zu verhalten hat und dass sie lernen, unser einzigartiges kulturelles Erbe unter Wasser zu schützen. Darüber hinaus lernt man bei meinen Kursen interessante Arbeits- und Tauchtechniken und bildet sich einfach in vielen Bereichen weiter. Danach sieht man Archäologie und Geschichte und auch das nächste Wrack mit anderen Augen, das verspreche ich. Das ist mir wichtig und deshalb gebe ich diese Kurse.

Welche Möglichkeiten haben geschulte Laien (also Nicht-Archäologen) nach solchen Kursen, ihr Wissen weiter einzusetzen?

Es gibt Vereine und Verbände wie die DEGUWA, die NAS, den VDST und GUE, die archäologische Projekte durchführen, an denen man sich beteiligen kann. Allerdings sind die Möglichkeiten in Deutschland noch etwas begrenzt. Citizen Science, wie das Engagement von Laien in der Wissenschaft genannt wird, ist im Bereich der Unterwasserarchäologie noch ausbaufähig. Ich hoffe, das wird sich in naher Zukunft ändern. Sporttaucher können enorm wichtige Helfer der Archäologie sein, wenn sie dementsprechend eingesetzt werden und nicht auf eigene Faust an Wracks rumschrauben und dabei mehr kaputt machen, als sie denken. Ein Wrack ist vergleichbar mit einem Tatort. Und wenn man nicht geschult ist, wird man ihn nicht richtig lesen und somit verstehen können.

Regelmäßig liest man von Wrackplünderungen durch selbsternannte Schatztaucher oder auch von fahrlässigen Zerstörungen von Wracks aufgrund von Unwissenheit oder Unachtsamkeit. Wie siehst du das Problem und wie sollte man dem begegnen?

Ja, das ist leider ein großes Problem. Einige wenige bringen dabei eine ganze Szene in Verruf. Viele dieser Leute denken, nur weil sie Tauchen können, dürfen sie auch Archäologe spielen und Artefakte bergen. Das Mitbringen von fragwürdigen Souvenirs steht dabei oft im Vordergrund, ist aber gesetzlich verboten. Stolz werden diese Funde dann in den sozialen Netzwerken präsentiert. Im Übrigen: Auch ich als Archäologe darf nichts abbergen, ohne vorher eine Erlaubnis von den entsprechenden Behörden zu bekommen.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele kommerzielle Schatzsucher, denen es lediglich um Profit geht. Denen ist die Geschichte egal, die wollen nur Geld damit machen. Wie sollte man dem begegnen? Ich bin für härtere Strafen bei entsprechenden Vergehen, aber auch für Aufklärung und für ein „Aufeinanderzugehen“. Nur gemeinsam können wir unsere Vergangenheit unter Wasser schützen. Jeder Taucher sollte ein Botschafter unserer Vergangenheit unter Wasser sein. Wir sind dort unten zu Gast und sollten uns über das Privileg freuen, diese eintigartigen Stätten besuchen zu dürfen. Wir sollten sie respektieren, schützen und gemeinsam erforschen.

Was war dein bisher spannendster Tauchgang bzw. deine spannendste Entdeckung beim Tauchen?

Sicher waren die Tauchgänge in den Höhlen der Bahamas und Mexikos ein Highlight. Diese Umgebungen sind alleine schon der Wahnsinn, wenn ich dann noch archäologische Fundstellen sehe und bearbeiten darf, bin ich im siebten Himmel. Aber auch die Arbeiten an der „Mars“, dem schwedischen Kriegsschiff, das 1564 zwischen Öland und Gotland gesunken ist und heute in knapp 75 Meter Tiefe liegt, waren fantastisch. Tauchen im Tiefen Brunnen von Nürnberg war auch ein Höhepunkt.

Foto: Florian Huber

Gab es bei euren Forschungstauchängen auch schon mal wirklich brenzlige Situationen?

Glücklicherweise nicht. Wir sind keine Adrenalinjunkies, die unüberschaubare Risiken auf uns nehmen. Wir haben eine solide Ausbildung, eine gute Ausrüstung und ein Spitzen-Team. Und ganz wichtig: Wir leiden nicht an Selbstüberschätzung und gehen jede Arbeit unter Wasser ruhig und besonnen an. Allerdings wäre mir vor einigen Jahren in Mexiko fast mal ein 12-Liter-Doppelflaschenpaket auf den Kopf gefallen, als wir uns in eine 13 Meter tiefe Cenote abgeseilt haben. Die hat mich glücklicherweise nur am Oberschenkel gestreift.

Unsere obligatorische Frage fast am Ende: Auf welche Ausrüstung vertraust du?

DIE Ausrüstung gibt es für uns Forschungstaucher nicht. Und ich muss auch immer wieder über diese leidigen Diskussionen im Netz schmunzeln, meist geführt von Leuten, die ganz wenig Ahnung haben. Ich tauche die Ausrüstung, die am besten zu meinem wissenschaftlichen Auftrag passt. Mal Sidemount in den Höhlen, mal Backmount an der Mars, mal mit Vollgesichtsmaske und Sprechfunk an Windparks in der Nordsee. Wichtig ist, dass die Ausrüstung Sinn ergibt, redundant und durchdacht ist. Allerdings mögen wir die Ausrüstungskonfiguration, wie sie von GUE gelehrt wird. Die macht extrem viel Sinn und kommt bei uns regelmäßig zum Einsatz. Seit einigen Jahren arbeiten wir außerdem erfolgreich mit MARES zusammen, die uns auch bei einigen Projekten unterstützen.

Zu guter Letzt: Welche spannenden Projekte und Abenteuer stehen bei dir in nächster Zeit an?

Ach, uns wird nicht langweilig. Wir werden weitere Dokus für den NDR und Terra X drehen. Jetzt im Sommer haben wir ein neues Projekt zu den Schiffswracks des Seegefechts bei Helgoland gestartet und ich denke gerade über eine große unterwasserarchäologische Ausstellung in Deutschland nach. Und ein paar Bücher will ich auch noch schreiben. Und wenn dann noch Zeit bleibt, würde ich gerne mal eine Alpenüberquerung machen...

 

Florian, vielen Dank dafür, dass du dir Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten. Ich freue mich schon auf Oktober und den Kurs am Walchensee.
Weitere Infos über Florian Huber findet ihr auf: www.florian-huber.info und www.submaris.com.

Foto-Nachweis: Dr. Florian Huber

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Kommentare

Schönes Interview und ein spannender Typ! :-)

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